


Wie fast jedes Jahr fahren ich und mein Mann nach Italien zu seiner Oma. So auch im Jahr 2020. Im Dorf Altavilla in Silentina laufen viele Hunde herum, einige tragen Halsbänder und sehen für die dortigen Verhältnisse gut aus. Doch dieses Mal im Urlaub sah ich einen Hund der blutige Stellen am Körper hatte, kaum Fell und unterernährt war. Wie immer fühle ich mit den Tieren unheimlich mit und als ich Minu sah setzte ich alle Hebel in Bewegung um Hilfe von italienischen Tierschützern zu erhalten. Ich wusste, wenn ich es nicht schaffe während meines dortigen Aufenthalts Hilfe für Minu zu organisieren wird er es vermutlich nicht überleben.
Zuerst einmal war es mir auch wichtig, dass Minu etwas zu essen und zu trinken bekam. Also gingen wir in den Einkaufsladen um Hundefutter zu kaufen.
Die Schwierigkeit bei Minu war sein unheimlich großes Misstrauen. Er hatte Hunger und Durst, aber das Misstrauen in Menschen war so groß, dass man ihn nur mit sehr großem Abstand füttern konnte. Ein Schritt zu Nahe und er lief wieder weg. Wir mussten uns wirklich sehr anstrengen ihn wieder zurück zu bekommen oder sogar neue Futterstellen aufbauen. Minu war auch nicht immer auf der Piazza - zumindest tagsüber. Das war die nächste Schwierigkeit. Wir wussten weder woher er kam und wo er sich aufhält. Er kam nur abends gegen 21.30 Uhr auf die befüllte Piazza. Dort streunerte er etwas herum und ging dann wieder, wenn es ihm zu viel wurde. Erschreckend für mich war, dass die Menschen dort einfach an Minu der sichtlich Hilfe benötigte vorbeiliefen oder sogar hauchdicht an ihm vorbeifuhren. Das liegt vermutlich einfach daran, dass die Menschen den Anblick solcher Hunde schon gewohnt sind.
Ich versuchte durch Facebook Kontakt zu ortsansässigen Tierschutzvereinen Kontakt aufzunehmen und stellte mein Anliegen in diversen Foren ein, nur um den Hauch einer Chance von Hilfe für Minu zu bekommen. So kam ich in Kontakt mit dem Tierschutzverein Italien e.V. Die Bemühungen die mir die zuständige Hilfsperson entgegenbrachte war enorm. Wir waren Tag und Nachts in Kontakt. Sie setzte von ihrer Seite aus sämtliche möglichen Hebel in Bewegung. Sie sagte zu mir, dass es das beste für Minu wäre zum Tierschützer Alfonso Longo zu kommen. Sie wollte deshalb, dass Minu zu Alfonso kommt, da der örtliche Tierschutz nur eine kurze Anlaufstelle für Straßenhunde sind und sie auch dort irgendwann eingeschläfert werden.
Kurz zu Alfonso: Sein Sohn Carmine liebte Hunde so sehr, dass er stets sämtliche Hunde die er auf der Straße fand, mit nach Hause nahm. Leider kam Carmine im Alter von 16 Jahren bei einem Rollerunfall ums Leben. So machte es sich Alfonso und seine Ehefrau zur Lebensaufgabe, die Liebe von Carmine zu Hunden fortzuführen und ihr Leben zu retten.
So kamen wir in Kontakt mit Alfonso. Zum Glück ist mein Mann Italiener und konnte sich somit ausgezeichnet mit ihm verständigen. Alfonso kam mit einer Gitterbox zum Einfangen. Diese schließt sich beim Betreten. Wir legten somit Futter in die Box und hofften darauf, dass Minu sich durch seinen großen Hunger leiten lässt, dort hineinzugehen. Die Schwierigkeit dabei war, dass wir es auf der befüllten Piazza machen mussten, da ja Minu bekanntlich stets erst gegen 21:30 Uhr auf die Piazza kam. Vorbeilaufende Menschen oder Menschen die auf einmal versuchten Minu anzulocken waren nicht sehr förderlich für das Einfangen. Leider hat es auch nicht geklappt, was mich sehr traurig und verzweifelt zugleich machte. Schließlich rückte auch unsere Heimreise näher.
Alfonso versprach uns jedoch, dass er sich Minu seiner annimmt und ihn auch nach unserer Abreise versucht einzufangen. Das beruhigte mich sehr.
Und Alfonso hielt sein Versprechen, woran ich auch nie zweifelte. Wir waren auch danach noch in regelmäßigem Kontakt zu Alfonso und dem Tierschutzverein Italien e.V. und es wurde uns von Alfonso mitgeteilt, dass er ihn mit einem befreundeten Tierarzt per Blasrohr zur Betäubung einfangen musste, da es anders nicht möglich war. Das zeigt zusätzlich wie groß Minu´s Misstrauen wirklich war. Wir waren sehr beruhigt, dass Minu nun in guten Händen war und nun war es auch an uns, unser Versprechen zu halten. Und zwar, unser Bestes zu geben, um einen Pflege- oder Endplatz für Minu zu bekommen.
Aber zuerst musste natürlich erst einmal Minu untersucht und gesund gepflegt werden. Es stellte sich heraus, dass er Räude sowie Leishmaniose hat. Hätte man ihm nicht geholfen, hätte er es definitiv nicht überlebt.
Alfonso und seine Ehefrau kümmerten sich Tag für Tag um Minu - und natürlich die etlichen weiteren Hunde in seinem Refugium. Es ging Minu von Mal zu Mal besser und schlussendlich wurde er gesund. Das Glück wurde perfekt, als Minu im Januar 2021 adoptiert wurde. Er durfte somit nach Deutschland reisen, wo er es in ein tolles Zuhause geschafft hat.
Hunden zu helfen ist mein Leben und macht mich unheimlich glücklich!
Wir verwenden Cookies, um Ihre Erfahrung zu verbessern. Um die neuen Datenschutzrichtlinien zu erfüllen, müssen wir Sie um Ihre Zustimmung für Cookies fragen. Weitere Infos auf der Datenschutzseite.